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Wie kann man nur so Freude haben wenn so ein Scheisswetter herrscht? Nun ich sage euch es war die einzige Chance sonst steigst du in ein Taxi und gehst nach Hause. Jetzt waren die Ebenen vorbei, nun kamen die Hügel und die Berge auf uns zu. Es kamen auch verschiedene Gerüchte auf, es seien noch weitere Peregrinos zu Fuss unterwegs. Bis anhin trafen wir nur auf ein paar Leute die uns mit dem Fahrrad überholt hatten. Von fünf Deutschen war die Rede und einem Holländer. Das Beste war der Italiener mit einem Esel der von Sevilla aus gestartet sein sollte. Die Eselspuren sahen wir ein paar Tage lang und wir dachten ihn einzuholen aber auf einmal fehlten sie. Wir hatten ihn überholt ohne ihn und seinen Esel zu sehen. Um es richtig zu stellen, Ruedi und ich wollten den Esel sehen und Marlis den jungen Italiener.
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Es folgten einsame Berglandschaften mit kleinen Ortschaften und einzelnen Häuser. Leider muss man sagen, dass einigen dieser abgelegenen Einwohnern ab und zu etwas Zivilisation gut tun würde. Die können zum Teil den Stall ihrer Schafe mit ihrer Ortsdurchfahrt fast nicht mehr unterscheiden. Wir haben aber auch schöne gepflegte Orte gesehen. Wir waren gespannt auf die Gegend wo es gebrannt hatte. Ein Gerücht besagte auch, alle gelben Pfeile sind dort vernichtet und man findet den Weg nicht mehr, alles Quatsch diese ewigen Gerüchte. Den meisten abgebrannten Wald haben sie schon abgeholzt und die früheren Brandherde sind auch schon wieder aufgeforstet, fleissig die Leute. Die Hügel schienen aber kahler als sie sonst wohl gewesen wären, schade dass es so Idioten gibt die einfach zum Spass Feuer legen.
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Jetzt war etwas geschehen das wir nicht für möglich gehalten haben, wir sind buchstäblich über Steinpilze gestolpert und wer Marlis kennt, weiss wo das Problem nun lag. Wandern wurde abgesagt und die Jagd auf Pilze fing an. Erst grosse Überzeugungskünste und etwas Pilze mitnehmen halfen am ersten Pilztag ans Ziel zu kommen. Zum Glück hatten wir eine Unterkunft mit Kochstelle und schon hatten wir ein Essen mit Steinpilzen.
Am zweiten Pilztag übernachteten wir in einer Herberge wo Risotto angesagt war, leider war der Boden der grossen Pfanne rund das Risotto wollte nie kochen. Das schockte Marlis nicht sie ging über die Strasse zu einer Einheimischen um das Risotto auf dem Gasherd fertigzukochen. Die Frau hatte solche Freude, dass sie uns kurzerhand noch etwas Karrotten mitgab, übrigens fast das einzige Gemüse das wir auf dieser ganzen Reise sahen. Und das Risotto war sowas von gut, nachdem wir uns ja vorwiegend von Lomo y Patatas sowie Jamon serrano ernährt hatten. Meine Mitstreiter wollten mir ja öfters so ein genmanipuliertes Zeug von einer chemischen Bude wie Novartis andrehen, es nannte sich Philadelphia, nach neustem Deutsch würde es wohl Filadelfia heissen, so blöd, nun egal ich wollte es nicht essen weil ich befürchtete anschliessend ein zweites "Schnäbi" zu kriegen.
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Wir haben da schon mal nachgeschaut wo die römische Brücke ist über die wir dann am nächsten Morgen weitergehen würden. Das haben wir oft so gemacht, denn in der Morgendämmerung sieht man die Pfeile und Schilder nicht so gut. Ein paarmal haben wir uns auch in die falsche Richtung bewegt, was nach dem Erkennen des Fehlers zu mehr Kilometer geführt hat. So auch an diesem Morgen danach, über die Brücke war noch kein Problem aber danach haben wir den Pfeil nach rechts verfehlt, gemerkt haben wir es ziemlich spät, dabei hatten wir noch Glück weil es eine zweite Variante aus Ourense heraus gab und auf eben Dieser befanden wir uns laut Beschrieb. Die Bestätigung durch fette, grosse, gelbe Pfeile erhielten wir aber auch erst nach etwa drei Kilometer. Nach einem langen sehr, sehr steilen Anstieg, bei der ersten Pause kam erstmals der besagte Holländer und hat uns eingeholt. Nach kurzem Gespräch gingen wir weiter ohne aufeinander Rücksicht zu nehmen, denn wir hatten seit Tagen unseren Rythmus gefunden und er den seinen auch. Wir sahen ihn nachher öfters bei Pausen zu einem kurzen Schwatz.
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Das mit den Kleider ist eine eigene Geschichte, zuerst muss man ja bei der Planung schauen nur das Nötigste mitzunehemen und dann von dem nur die Hälfte, denn sonst hast du ganz einfach zuviel Gewicht bei dir. Die Hälfte des Nötigsten sollte dann so gut sein, dass sie den Schweiss absorbiert, schnell trocknet, bei Hitze kühlt, bei Kälte wärmt und gut waschbar ist. Die Frage ist nur wie die das früher gemacht haben jetzt gibt es ja Kleider die schon fast von alleine wandern. Bei der Hitze war alles noch ok, bei Nässe dann hätten wir uns ab und zu einen tragbaren Tumbler gewünscht, denn nach der abendlichen Handwäsche hat alles auswringen in Handtüchern, schnelles Schwingen von Hand und über Nacht aufhängen nicht mehr gewirkt, das Zeugs war am Morgen immer noch nebelfeucht und kalt. Ich geb es zu ich hab die letzten fünf Minuten vor dem Aufstehen die Kleider unter die Bettdecke genommen um wenigstens die Kälte etwas zu dämpfen. Die Schuhe blieben trotz stopfen mit Haushalt- und Zeitungspapier nass, gut sie tropften wenigstens nicht mehr.
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Ja.... geschafft, der erste Blick auf unser Ziel, die Kathedrale von Santiago. Und sogar die Sonne hat an unserem letzten Tag den Durchbruch wieder einmal geschafft. Wir stapften mit lockeren Schritten durch die Gassen von Santiago, an einigen Sonntags Spaziergängern vorbei ohne jedoch einen Pilger anzutreffen und erreichten den Platz vor der Kathedrale. Da kamen sie alle von rechts, scharenweise Pilger vom Camino Frances die meisten nur Kurzwanderer, das sah man sofort. Die sind vielleicht ein bis zwei Tage gewandert mit einer Ausrüstung die es nicht zulässt längere Strecken zu gehen, mit einer Kleidung wie aus dem Ei gepellt, eben Esotherik- Glaubens-, oder Findungspilger. Bei einem oder mehreren Bier ich kann mich nicht mehr so genau erinnern, beobachteten wir das Treiben und den Rummel, nachdem wir doch 40 Tage oft sehr einsam durch die Gegend gewandert sind. Die gesammte Distanz betrug 1200 Km und die längste Etappe 46 Km. Ich spüre jetzt, zwei Monate später immer noch Schmerzpunkte unten an den Füssen, das war auch immer nach den den Wanderpausen so. Ein Spruch kommt mir dabei in den Sinn, den wir oft brauchten. "Komm wir machen doch keine Pause sonst haben wir nur wieder Schmerzen".
Trotzdem sollte jedermann sowas ähnliches mal gemacht haben. Ich würde es nicht mehr tun, wenn ich es aber noch nicht gemacht hätte, würde ich es aber nochmals tun wollen. Es bleibt noch zu erwähnen, dass diese Erzählung nur ein kleiner Teil des Erlebten beinhaltet und sehr subjektiv von mir (Orlando) stammt. Jeder der dabei war sieht oder empfindet die eine oder andere Geschichte etwas differenzierter. Übrigens wer diese "Gigu-Idee" hatte dorthin zu wandern, liess sich abschliessend nicht klären, zum Glück.
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